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Geschichte

In der Siegfriedsage ist der Odenwald das Jagdgebiet der Nibelungen.

Der Name „Odenwald“ wird übersetzt mit „Odins Wald“  oder sogar mit „öder Wald“, wahrscheinlicher ist jedoch die keltische Deutung als „quellenreiches Gebirge“. Den Odenwald der damaligen Zeit stellen wir uns als großes zusammenhängendes und einsames Waldgebiet vor, das den römischen Geschichtsschreibern durchaus „öde“ und gefährlich erschienen sein mag.

Nichtsdestotrotz lebten hier Menschen, wenn wir auch nur wenig über sie wissen. Zwei Funde aus der jüngeren Steinzeit (etwa 5000 bis 2000 v. Chr.) lassen vermuten, dass unsere Gegend auch damals besiedelt war. Es könnte sich jedoch auch um Gegenstände handeln, die nur beim Durchstreifen des großen Waldgebietes verloren gingen oder sogar von späteren Zeitgenossen hierher gebracht wurden. Der erste Fund wurde von Leonhard Oberle im Jahre 1914 im Kreidacher Tal auf  Ober-Abtsteinacher Gemarkung gemacht. Dieses Steinbeil aus Granit wurde von  Prof. Dr. Behn aus Mainz auf 4000 Jahre geschätzt und wird heute im Rathaus von Abtsteinach aufbewahrt. Den zweiten Fund machte ein Bauer aus Siedelsbrunn beim Ackern in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Es handelt sich hier um ein Kultbeil aus grünen Granatamphiboliten.

Aus keltischer Zeit blieben viele Ortsnamen für Bäche und Bergkuppen erhalten.

Sauberes Wasser wurde als äußerst wichtig erachtet und so verwundert es auch nicht, dass fast alle Ortsnamen des Odenwaldes mit Wasser zu tun haben. Keltische und germanische Volksstämme sowie römische Siedler vermischten sich miteinander und auch die Kulturen durchdrangen und ergänzten sich. Welche Siedlungen in Abtsteinach bestanden oder ob nur Kultplätze, wie z.B. der Götzenstein, besucht wurden, lässt sich  heutzutage nicht  feststellen. Kelten und Germanen hinterließen keine Schriftstücke und die Römer zogen die Rheinebene als Siedlungsgebiet dem Odenwald vor.

Erst durch die Aufzeichnung der Geschichte des Klosters Lorsch sind uns Dokumente erhalten.

Durch Schenkungen des Gaugrafen Cancor und seiner  Mutter Williswinda wurde im Jahr 765  unter Anwesenheit des Kaisers Karl des Großen das Benediktiner-Kloster Lorsch eingeweiht. Im Jahr 773 und 795 wurden die Grenzen dieser Schenkung schriftlich festgelegt. Zum Kloster Lorsch gehörte der ganze rheinwärts gelegene Odenwald, eine Fläche von nahezu 900 qkm. Die Grenze der Mark Heppenheim verlief damals u.a. „wo das Bächlein Steinaha seinen Anfang nimmt“.

Im Jahr 1012 wird Abtsteinach als „possesa steinaha“, als Besitztum an der Steinach erwähnt. Für die wenigen Einwohner müssen die kleinen Ackerflächen wohl ausgereicht haben, aber auch der Wald wurde genutzt als Beerenlieferant und für die Schweinemast. Trotz der winzigen Dörfer muss die Bevölkerung so zahlreich gewesen sein,  dass der Pfälzer Kurfürst im  Jahr 1387 den Grundstein zum Bau einer Kirche zu Lichtenklingen legte. Der Sage nach wurde dieser klimatisch besonders begünstigte Taleinschnitt mit einer Doppelquelle bereits von den Kelten als Kultstätte genutzt, so dass die Errichtung des christlichen Heiligtumes hier für folgerichtig und notwendig erachtet worden sein mag. Mit tanzenden Elfen um den kleinen Weiher und der Erscheinung von „Weißen Frauen“ in der Nacht wurden aus christlicher Sicht  die Umtriebe der nichtchristlichen Bevölkerung umschrieben und so ins Reich der Gespenster und Sagen verbannt.

Im Jahr 1490 gab es bereits die Ortschaften Ober- und Nieder-Abtsteinach, außerdem wurden 3 Mehlmühlen und später 1 Ölmühle betrieben. Auf dem Bergrücken des Hardberges und am Ortsende von Unter-Abtsteinach verläuft heute noch die  Landesgrenze zu Baden-Württemberg. Zur damaligen Zeit war der Grenzverlauf immer ein Streitpunkt zwischen dem Erzbischof von Mainz, dem nach dem Niedergang des Klosters Lorsch dessen Besitztümer zugesprochen wurden, und dem Kurfürsten in Heidelberg.

In den Jahren 1463 bis 1623 wurde das Dorf  Abtsteinach vom Erzbischof zu Mainz an die Kurpfalz verpfändet.

Da in diese Zeit die Reformation fiel, wurde von den Untertanen erwartet, dass diese ihre Religion ebenfalls wechselten. Der Gottesdienst in der Kirche zu Lichtenklingen wurde während der Reformation eingestellt und der Kurfürst erteilte sogar eine Abbruchgenehmigung. Eine Kapelle, die in der Ortsmitte von Unter-Abtsteinach von einem Bauern errichtet wurde, könnte in dieser Zeit entstanden sein, um die Lücke zu füllen, die im Dorfleben entstanden war. Der Sage  nach wurde eine Marienfigur mit Jesuskind aus Lichtenklingen gerettet, diese wird heute noch in der Kapelle aufbewahrt. Mitte August findet eine Wallfahrt nach Lichtenklingen statt, bei der die Figur wieder an ihren alten Platz gebracht wird.

In den Wirren des 30-jährigen Krieges musste die  Bevölkerung viel Leid erfahren, der ganze Ort war um 1635 ausgestorben. 

Ein Teil der Bevölkerung war vielleicht in die Wälder geflüchtet, doch dürften auch viele an der Pest gestorben sein, die damals viele Opfer forderte. Nach Beendigung des Krieges wurde das dörfliche Leben wieder aufgenommen und viele Flüchtlinge und ehemalige  Landsknechte ließen sich in der verwaisten Gegend nieder. Eine wichtige Entscheidung wurde durch den Mainzer Erzbischof  Johann Philipp v. Schönborn im Jahr 1658 mit dem Bau der Bonifatius-Kirche in Ober-Abtsteinach getroffen. Abtsteinach wurde Mittelpunkt der Zehnt. Die umliegenden katholischen Dörfer wurden nach Abtsteinach eingepfarrt

Die Dörfer des Odenwaldes waren in der Regel sehr arm, der einzige Reichtum war der Waldbestand. Mit Zunahme der Bevölkerung im 19. Jahrhundert konnte der Grund und Boden die Menschen nicht mehr ernähren und viele Bürger wanderten   nach Amerika und Australien
aus. Erst die Steinbruchindustrie brachte den Menschen ihr Auskommen, wenn auch die Arbeit gesundheitsschädigend und gefährlich war.

Mit dem Aufkommen von Beton wurden die Steinbrüche unrentabel. Die Sandsteinbrüche sind heute waldbewachsen und nicht mehr einsehbar. Lediglich der Steinbruch Mackenheim, in dem Porphyr für den Straßen- und Hausbau abgebaut wird, ist noch in Betrieb.

Im 20. Jahrhundert begannen die Arbeitnehmer in Weinheim und Mannheim bei großen Industrieunternehmen zu arbeiten.

Dabei waren sie so erfolgreich, dass die Gemeinde bescheidenen Wohlstand errang und sich das Ortsbild hin zu einer  ansehnlichen Wohngemeinde veränderte. Obwohl Abtsteinach im Jahr 2012 das 1000jährige Bestehen feiern kann, ist unser Ort doch eine moderne Gemeinde, die sich ständig weiterentwickelt. Das vielfältige soziale und kulturelle Leben lässt sich leicht an der Zahl der Vereine und der Veranstaltungen im Jahresverlauf feststellen.

Wem die Angebote vor Ort nicht genügen, der findet im nahen Rhein-Neckar-Raum genügend Anregungen.

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